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Der Wandel von einem industriellen Wirtschaftssystems hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft ist eine der bedeutsamsten gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Das Ruhrgebiet ist von diesem Strukturwandel – als altindustriell geprägte Region – besonders betroffen. Hinzu kommen veränderte Produktionsformen, die durch technologische Entwicklungen, insbesondere digitaler Technologien, ermöglicht werden. Durch diese Veränderungen wandelt sich auch der Raum- und Flächenanspruch der produzierenden Unternehmen. Während in den vergangenen Jahrzehnten eine funktionelle Zonierung von Städten in Wohn-, Handels-, Gewerbe und Produktionsgebiete gängige Praxis war, bietet sich nun die Möglichkeit, die Funktionen Wohnen und Arbeiten räumlich wieder stärker zusammenzuführen. Durch urbane Produktionen soll eine Mischung von Produktion, Gewerbe und Wohnen in innenstädtischen Quartieren entstehen.

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt zum Aufruf „Nachhaltige Transformation urbaner Räume“ erforscht das InWIS in enger Zusammenarbeit mit der EBZ Business School gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT), der Wirtschaftsförderung der Stadt Bochum sowie den Urbanisten e. V. Formen und Rahmenbedingungen der urbanen Produktion. Zudem werden positive und negative Effekte der urbanen Produktion analysiert, insbesondere auf die Quartiersentwicklung und hier im Speziellen auf strukturschwache Quartiere im vom ökonomischen Strukturwandel geprägten Ruhrgebiet. Auch durch urbane Produktionen hervorgerufene Nutzungskonflikte sowie Möglichkeiten zu deren Lösung werden in dem Projekt beleuchtet. Neben der theoretischen Aufarbeitung des Themas steht ebenso die praktische Umsetzung von urbaner Produktion in den Reallaboren Wattenscheid-Mitte sowie Werne/Langendreer - Alter Bahnhof in der experimentellen Phase des Projekts im Fokus.

Das InWIS übernimmt in dem Vorhaben in enger Zusammenarbeit mit der EBZ Business School das Teilprojekt „Wohnen und Arbeiten im Quartier“ unter der Projektleitung von Dr.-Ing Alexandra Lindner, Dr. Heike Schröder und Dr. Daniel Dangel.

Nach einer systematischen Aufarbeitung der aktuellen Forschung zur urbanen Produktion und der Schnittstelle zur Wohnungs- sowie Immobilienwirtschaft, steht die Erarbeitung einer Quartierstypologie im Vordergrund. Ziel ist die Entwicklung und Anwendung eines dynamischen GIS-gesteuerten Tools zur Identifikation von Chancen und Barrieren von urbaner Produktion in den Quartieren. Damit können geeignete Modellquartiere innerhalb der Stadt Bochum identifiziert werden, in denen die Gegebenheiten für die erfolgreiche Umsetzung von urbaner Produktion im Rahmen der experimentellen Phase vorliegen. Zudem dient die Quartierstypologie der Beschreibung von Kontextfaktoren als Voraussetzung für die Übertragbarkeit von Erkenntnissen.

Ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Etablierung urbaner Produktion stellen die Bewohner in den Quartieren dar. Daher sollen diese bereits frühzeitig in den Forschungsprozess eingebunden werden und für die Umsetzung der urbanen Produktion im Quartier aktiviert werden. Dafür kommen quantitative und qualitative Methoden der Sozialforschung zum Einsatz, um unbekannte Potenziale und die Nachfragesituation im Quartier aufzudecken sowie Nutzungskonflikte erfassen zu können.

Des Weiteren wird erarbeitet, wie die Wohnungswirtschaft und private Immobilieneigentümer urbane Produktionsformen unterstützen können und welche Mehrwerte dadurch für das Quartier und die Eigentümer entstehen. Dazu werden bereits bestehende Fallbeispiele ausgewertet und der (ökonomische) Nutzen für die Immobilieneigentümer ermittelt sowie Kooperationsmodelle entwickelt.

 

Forschungsfeld 5:Stadt- und Quartiersentwicklung

Ansprechpartner

Dr. Heike Schröder
Forschungskoordination
Telefon:+49 (0) 234 9447-263
E-Mail:heike.schröder@inwis.de
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