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Seit den 1990er-Jahren betrachtet die raumwissenschaftliche Forschung verstärkt kleinräumige Veränderungen in der Sozialstruktur von Städten. Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und folglich besseren technischen Möglichkeiten sowie hochwertigeren und breiteren Datengrundlagen sind inzwischen auch kommunale Monitoring- und Berichtsysteme in den Städten im Einsatz. Diese sind überwiegend auf sektorale Themen wie Sozialplanung, Bildung, Energie oder Wohnen ausgerichtet, gleichwohl existieren im Bereich des Nachhaltigkeitsmonitorings auch integrierte Ansätze. Ein generisch angelegtes, GIS-gestütztes und vor allem tatsächlich ämterübergreifendes Monitoringsystem, das auch die fachspezifischen Bedarfe bedienen kann, existiert in dieser Form bislang nicht. Kern derartiger Monitoringsysteme ist neben einer zielgerichteten Indikatorenauswahl insbesondere die praktische Ausrichtung auf den kommunalen Planungsalltag zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen. Von Interesse sind dabei u. a. verschiedene räumliche Betrachtungsebenen wie die Gesamtstadt, Stadtbezirke, Baublöcke oder Quartiere, sowie die Möglichkeit kleinräumige Dynamiken im Rahmen multitemporaler Betrachtungen erfassen zu können. 

Das BMBF fördert das Verbundvorhaben KomMonitor innerhalb des Rahmenprogramms Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) im Rahmen der Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“. Dabei entwickelt das InWIS in enger Zusammenarbeit mit der EBZ Business School und gemeinsam mit vier Verbundpartnern, dem Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum, dem Fachbereich Geodäsie der Hochschule Bochum, der Stadt Essen sowie der Stadt Mülheim an der Ruhr, ein integriertes kommunales raum-zeitliches Monitoringsystem, um den innerstädtischen Konsequenzen des demografischen Wandels im Sinne einer auf Nachhaltigkeit gerichteten Stadtentwicklung zu begegnen. Als praxisnahes Entscheidungshilfesystem soll es dazu dienen, anhand aussagekräftiger Daten die Entwicklung einer sozialen Dynamik des demografischen Wandels zu erkennen und u. a. – im Sinne eines Frühwarnsystems – soziale und städtebauliche Problemlagen zu identifizieren. Das Monitoringsystem kann damit als ressortübergreifende Planungsgrundlage zur Steuerung und Koordinierung städtischer Maßnahmen und Ressourcenverteilung dienen und soll generisch angelegt sein, sodass die Übertragbarkeit auch auf andere relevante kommunale Handlungsfelder problemlos möglich ist. Durch das Verbundvorhaben KomMonitor sollen neue Impulse gesetzt und Lösungen entwickelt werden, die den aktuellen und ganz praktischen Anwendungsbedarfen der Kommunen entsprechen.

Neben der Gesamtkoordination übernimmt das InWIS in dem Vorhaben in enger Zusammenarbeit mit der EBZ Business School das Themenfeld Wohnen unter der Projektleitung von Dr.-Ing Alexandra Lindner.

In Rahmen einer systematischen Auswertung der Literatur sowie nationaler und internationaler Fallbeispiele werden relevante wohnungswirtschaftliche Indikatoren sowie deren potenzielle Verknüpfungen und Wechselwirkungen zu den anderen fokussierten Themenfeldern Demografie, Sozialstruktur, Umwelt und Migration identifiziert. Dabei sollen sowohl statische Indikatoren zur Zustandsbeschreibung als auch dynamische Veränderungsindikatoren berücksichtigt werden. Neben der inhaltlichen Ausarbeitung werden insbesondere methodische Fragestellungen zu u. a. räumlichen Maßstabsebenen, Aggregierungsmethoden, Bewertungsmaßstäben und zur Integration unterschiedlicher Datenquellen thematisiert.  Hierfür gilt es auch bestehende kleinräumige Prognose- und Szenariotools vor dem Hintergrund des im Projekt anvisierten Monitoringssystems auszuwerten. Die inhaltlichen Erkenntnisse der einzelnen Themenfelder werden anschließend zu einer integrierten Gesamtliste möglicher Indikatoren und potenzieller Grenzwerte inklusive einer Dokumentation methodischer Ansätze für standardisierte Auswertungs-, Analyse-, Visualisierungs- und Prognosefunktionalitäten zusammengeführt. Die Gesamtliste wird dann durch eine Analyse der Ausgangssituation und Bedarfe der Städte Essen und Mühlheim an der Ruhr und ihrer Fachämter hinsichtlich Daten, Software, Methoden und Prozesse ergänzt, um einen Anforderungskatalog an ein entsprechendes Monitoring formulieren zu können. Aus dem Zusammenspiel der Gesamtliste aller Indikatoren und dem Anforderungskatalog wird die praktische Umsetzung eines Monitorings in den Kommunen konzipiert. In einem iterativen, mehrstufigen Prozess werden die Konzeption, Anwendungsfälle und Funktionalitäten stetig weiterentwickelt und schließlich in den Regelbetrieb in den Verwaltungen überführt.

Projekt-Website:  http://kommonitor.de

 

Forschungsfeld 4: Stadt- und Quartiersentwicklung