Die Immobilienhochschule
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Bildquelle: Spar&Bau Dortmund

Prof. Dr. Florian Ebrecht: "Wir müssen eine Innovationskultur entwickeln"

Prof. Dr. Florian Ebrecht ist Vorstandsbevollmächtigter mit Gesamtprokura bei der Spar- und Bauverein eG Dortmund und Absolvent der EBZ Business School. Doch seine Karriere begann mit einer Ausbildung im Handwerk.

Student des Jahres beim Immobilienmanageraward 2018, Träger des EBZ Aareal Bank Preises, Träger des EBZ-Nachwuchspreises, Vorstandsbevollmächtigter mit Gesamtprokura Spar- und Bauverein eG Dortmund, Geschäftsführer der Sparbau Stiftung gGmbH, Lehrbeauftragter und Hochschulprofessor - die Vita von Prof. Dr. Florian Ebrecht (34) liest sich, als sei ein detaillierter Karriereplan umgesetzt worden.

Doch vor seinem akademischen Weg und der Laufbahn im Management absolvierte Ebrecht eine Ausbildung im Handwerk, von der er noch heute profitiert. Im Interview spricht er über seinen Werdegang.

Herr Prof. Dr. Ebrecht, wie sind Sie in die Wohnungswirtschaft gekommen?

Ebrecht: Ich habe ursprünglich eine Ausbildung zum Elektriker gemacht. „Handwerk hat goldenen Boden“, hatte mein Vater damals gesagt. Ich hatte mich zu der Zeit auch schon für Technik und Gebäude interessiert und war dann auch im Bereich der Gebäudesanierung tätig. Dabei erkannte ich, dass das Arbeiten auf der Baustelle nicht nur schöne Seiten hat und gerade der Winter hart sein kann.

Heute hätten Sie mit dem Job das große Los gezogen.

Ebrecht: Damals war der Fachkräftemangel auf den Baustellen noch kein so großes Thema wie heute. Ich hatte zeitweise überlegt, ob ich meinen Meister mache und in die Selbstständigkeit gehe. Aber das war zu dieser Zeit eher uninteressant. Mich haben Immobilien und die Immobilienwirtschaft schon sehr früh interessiert. Darum habe ich berufsbegleitend mein Abitur nachgeholt und bin dann auch fast zwangsläufig zum EBZ gekommen, wo ich dann zunächst mein Bachelor- und später das Masterstudium absolviert habe.

Vom Werkstudenten in Leitungsposition hochgearbeitet

Wer hat das Studium finanziert?

Ebrecht: Das habe ich selbst finanziert. Ich habe nebenbei gearbeitet und Unterstützung von meinen Eltern erhalten. Während des Studiums habe ich eine Stelle bei der Spar- und Bauverein eG Dortmund begonnen und mich Schritt für Schritt vom Werkstudenten über den Bauleiter und andere Leitungspositionen hochgearbeitet. Ich hatte meine Bachelor-Arbeit am EBZ über die Implementierung eines IT-gestützten Verkehrskonzeptes geschrieben, das ich auch hier im Unternehmen umsetzen konnte. Später habe ich meinen Master absolviert und konnte parallel im Unternehmen aufsteigen, bis ich dann mit Abschluss des Studiums die Verantwortung für den gesamten technischen Bereich und Prokura erhalten habe.

Wie kam es dann zur Promotion und zur Professur?

Ebrecht: Ich habe überlegt, wie ich mich nach dem Masterstudium weiterentwickeln kann, da war eine Promotion naheliegend. Ich hatte großes Glück, im richtigen Moment große Unterstützung von Franz-Bernd Große-Wilde (Vorstand des Spar- und Bauvereins, Anm. d. Red) und der EBZ Business School zu erhalten, sodass ich an der TU Dortmund das Promotionsverfahren durchlaufen konnte. Mein Thema habe ich auf die Firma abgestimmt und habe daher über die Implementierung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzeptes geschrieben, welches ich auch hier im Unternehmen zur Anwendung bringen konnte. Nun freue ich mich, dass ich als Lehrbeauftragter am EBZ und als Hochschulprofessor an der IU Internationalen Hochschule mein Wissen weitergeben kann. 

Das ist ein weiter Weg in relativ kurzer Zeit.

Ebrecht: So kurz ist die Zeit gar nicht. Ich habe jedoch sehr davon profitiert, dass ich vieles berufsbegleitend machen konnte. So dauerte der Weg von der Ausbildung zur Promotion insgesamt gut zwölf Jahre. Dies ging nur durch kontinuierliches, ambitioniertes Arbeiten. Ich hatte zwischendurch zwar auch mal die Nase voll, aber es hat insgesamt Spaß gemacht.

Inwieweit profitieren Sie von der Ausbildung?

Ebrecht: Von meiner Ausbildung im Handwerk profitiere ich heute noch sehr. In der Immobilienwirtschaft befassen wir uns ja viel mit technischen Gegebenheiten. Gerade in der Energiekrise und mit dem Ruf nach mehr technischer Gebäudeausrüstung wie beispielsweise Photovoltaikanlagen, weiß ich durch meine Ausbildung und die Arbeit auf dem Bau ganz genau, wovon die Rede ist.

"Der kaufmännische und der technische Part gehören zusammen"

Müsste der technische Aspekt dann eine noch größere Rolle spielen? Letztlich hat man in der Wohnungs- oder Immobilienwirtschaft in der Konsequenz immer mit der Hardware „Haus“ zu tun.

Ebrecht: Definitiv. Und das Studium am EBZ hat ja auch viele technische Module. Der kaufmännische und der technische Part gehören zusammen. Das ist beim EBZ sehr gut. Ich hatte Kommilitonen in meinem Studium, die schon eine kaufmännische Ausbildung gemacht hatten. Die hatten hier natürlich Vorteile, wohingegen ich in den technischen Modulen durch meine Ausbildung profitierte.

Vermutlich ist der Mix aus Technik und Wirtschaft nie so wichtig gewesen wie in der aktuellen Diskussion. Ist das jetzt Ihre Stunde?

Ebrecht: Ich habe immer mal wieder meine Stunden gehabt, die mich weitergebracht haben. Die Themenfacetten, die derzeit alle parallel akut sind, stellen eine große Belastung für die Branche dar. Ich bin durch meinen Werdegang sehr breit aufgestellt und eher Generalist als Spezialist. So habe ich im Rahmen meines Studiums unterschiedlichste Themenfelder bearbeitet, um mich möglichst breit aufzustellen. So habe ich meine Bachelorthesis über die Implementierung eines IT-gestützten Verkehrssicherheitskonzeptes geschrieben. Zur damaligen Zeit waren wir eines der ersten Unternehmen in der Branche, die diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgten. In meiner Masterthesis ging es um das In- oder Outsourcing von Messdienstleistungen in der Wohnungswirtschaft. Seinerzeit haben viele Wohnungsunternehmen mit dem Gedanken gespielt, ob Messdienstleistung eine Möglichkeit bietet, die Wertschöpfung der Unternehmen auszuweiten. Dies habe ich untersucht und am Beispiel der Spar- und Bauverein eG Dortmund für die Wohnungswirtschaft nachgerechnet.

In Dortmund haben Sie in manchen Quartieren, etwa im Althoffblock, eine in Umwelt- und Klimafragen sehr engagierte Mieterschaft. Üben diese Mieterinnen und Mieter Druck auf Sie als Vermieter aus, damit Sie schneller handeln?

Ebrecht: Momentan erfährt man von allen Seiten einen gewissen „Druck“. Wir als Unternehmen haben schon immer stark in den energetischen Bereich investiert oder treiben entsprechend energetische Neubauprojekte voran. Den Althoffblock zum Beispiel möchten wir vollständig umbauen und energetisch modernisieren, damit die Warmmieten auch zukünftig bezahlbar bleiben. Die Mitglieder sehen dies zweigeteilt, einige unterstützen dieses Vorhaben, andere wiederum legen den Fokus auf den Erhalt einer geringen Kaltmiete.

Klimaziele erreichen und den Mitgliedern gerecht werden

Viele dort können sich aber auch die dann höheren Mieten leisten.

Ebrecht: Was aber am Ende eine Milchmädchenrechnung ist. Man muss sich fragen, ob die Kaltmiete zukünftig überhaupt noch eine so große Rolle spielen wird, wenn man hingegen die Entwicklung der Betriebs- und Nebenkosten in den vergangenen Jahren betrachtet. Auf lange Sicht wird es günstiger sein, eine leicht höhere Kaltmiete zu bezahlen, wenn man gleichzeitig durch Modernisierungsmaßnahmen die Warmmieten senken kann. Als Unternehmen müssen wir den Mittelweg finden, um einerseits die Klimaziele zu erreichen und dennoch allen Mitgliedern gerecht zu werden.

Unterscheiden Sie in der Kommunikation mit den Mieterinnen und Mietern in unterschiedlichen Quartieren? In machen Quartieren wohnen sehr gebildete in anderen eher bildungsferne Menschen.

Ebrecht: Wir kommunizieren und agieren bedarfsgerecht. Als Genossenschaft zeichnet es uns aus, dass wir sehr nah an den Mitgliedern sind und die Bedürfnisse kennen. Wir unterstützen per se keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Wir behandeln letztlich alle gleich, wenn es darum geht, mit unseren Mitgliedern in Kontakt zu treten.

Dennoch sind die Themen, die von den Mitgliedern gesetzt werden, wahrscheinlich unterschiedlich. Stichwort Lastenrad.

Ebrecht: Das ist ein gutes Stichwort. Wir haben vor Kurzem Lastenrad-Stationen im Althoffblock, im Unionviertel und in der Nordstadt aufgebaut. Das sind innenstadtnahe Quartiere, in denen wir diese Anschaffung für sinnvoll halten. In Randlagen, wo der nächste Supermarkt ein paar Kilometer entfernt liegt, macht diese Maßnahme weniger Sinn.

E-Mobilität ist ein großes Thema. Doch gerade in innerstädtischen Quartieren sind viele Ihrer Mitglieder Bordsteinparker, die Sie gar nicht direkt mit Ladestationen versorgen können. Wie lösen Sie diese Aufgabe?

Ebrecht: Da müssen wir Kooperationen eingehen. Das trifft aber für viele Nachhaltigkeitsziele zu. Kommunen, Energieversorger und Wohnungsunternehmen müssen an einem Strang ziehen. Dort, wo es geht, setzen wir unsere Konzepte um. Dazu haben wir bereits eine Kooperation mit der DEW21 (Dortmunder Energieversorger Anm. d. Red.). In den Quartieren, wo die Autos auf städtischem Grund am Straßenrand parken, müssen wir darauf hoffen, dass die Stadt tätig wird und Ladeinfrastruktur schafft, oder wir müssen auf Kooperationen setzen. Mit der Stadt Dortmund arbeiten wir zum Beispiel beim Bau von Fahrradstationen für unsere Mieterinnen und Mieter auf städtischem Grund zusammen.

Ölheizungen und Wärmepumpen kombinieren

Inwieweit sind Wärmepumpen für Sie ein Thema?

Ebrecht: Wärmepumpen sind für uns definitiv ein Thema. Am Ende des Tages werden wir aber eine Mischung aus verschiedenen Energieträgern und Aggregaten benötigen. Nur auf Wärmepumpen zu setzen, wäre der falsche Ansatz. Wir überlegen sogar, ob wir nicht die wenigen Ölheizungen, die wir noch haben, laufen lassen und für die Grundlast mit Wärmepumpen kombinieren.

Sie sind gelernter Elektriker und haben diesen technischen Background. Aber ist es für die Branche an sich nicht ein riesiger Umsturz, was das Geschäftsmodell angeht? Aus Wohnungswirtschaft wird immer mehr Wohnungstechnik.

Ebrecht: Teils, teils. Die Wohnungswirtschaft war immer schon sehr facettenreich und hat die unterschiedlichsten Disziplinen abgedeckt. Das ist anders, als wenn ich nur ein Produkt erzeuge und vertreibe. Aber die Wohnungswirtschaft hat mit sozialen, wirtschaftlichen und technischen Aspekten zu tun. Die Konzentration auf den Energiesektor und auf Nachhaltigkeit ist allerdings wirklich neu – in allen Branchen, nicht nur in der Wohnungswirtschaft.

Wo sollen die dringend benötigten Fachkräfte herkommen, die die nötigen Maßnahmen praktisch umsetzen?

Ebrecht: Das ist definitiv ein Problem. Wir werden nicht genügend Arbeiter und Fachkräfte ohne Zuwanderung bekommen. Vieles wird sich im Bereich Automatisierung und Digitalisierung bewegen müssen, sei es auch beim Bau oder der Modernisierung. Ich denke, man kann die Probleme der Branche nur über eine Kombination aus der Änderung der Produktionsverfahren sowie Zuwanderung lösen.

Wie schafft die Wohnungswirtschaft es, schnell auf diesen Mangel zu reagieren? Ein Studium oder eine Ausbildung schnell auf die Marktbedürfnisse abzustimmen, geht wegen der starren Regularien fast nicht.

Ebrecht: Wir müssen qualifizieren und eine Art Innovationskultur entwickeln. Das machen wir in unserem Unternehmen bereits. In letzter Konsequenz funktioniert das über Weiterbildung. Wenn man sein Studium oder seine Ausbildung abgeschlossen hat, muss man sofort über Weiterbildung am Ball bleiben. Darum habe ich mich auch entschieden, lehrend tätig zu sein. Auf diesem Wege bin ich immer auf der Höhe der Zeit und kenne den aktuellen Stand der Wissenschaft.