
Vergesellschaftung als wohnungspolitische Fiktion
Der Berliner Wahlkampf 2026 wird von der Forderung nach Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Einheiten dominiert. Der Beitrag prüft diese Forderung ökonomisch, historisch, fiskalisch und ordnungspolitisch. Er kommt zu dem Ergebnis, dass eine Vergesellschaftung das zentrale Problem des Berliner wie des deutschen Wohnungsmarktes, nämlich einen strukturellen Angebotsmangel bei gleichzeitig eingebrochener Neubautätigkeit, nicht ansatzweise adressiert. Vergesellschaftung ist eine Eigentümerumverteilung im Bestand und erhöht die Zahl der Wohnungen um null. Sie bindet zugleich Landesmittel in einer Größenordnung, die jede realistische Neubau- und Modernisierungsstrategie über eine Generation hinweg blockieren würde, und zwar in einem Bundesland, dessen Schuldenstand bereits bei rund 68 Milliarden Euro liegt. Die historische Evidenz von der Wohnungsgemeinnützigkeit über die Neue Heimat und die Wohnungswirtschaft der DDR bis zu den Privatisierungswellen der 2000er Jahre zeigt, dass die Eigentümerform allein weder Bezahlbarkeit noch Bestandsqualität sichert; entscheidend sind Kostendeckung, Governance und Bodenpolitik. Der Berliner Mietendeckel liefert zusätzlich ein natürliches Experiment mit eindeutigem Befund. Der Beitrag deutet die Vergesellschaftungsdebatte politökonomisch als Kompensation eines staatlichen Steuerungsversagens und entwickelt 10 wirksamere Handlungsoptionen.










