
EBZ-KlimaCamp 2026: Junge Talente suchten Antworten auf die Wohnungsfrage der Zukunft
Wie bleibt Wohnen bezahlbar, wenn Gebäude klimafreundlicher werden müssen und Städte sich an Hitze, Starkregen und neue ökologische Anforderungen anpassen? Mit dieser Frage beschäftigten sich 43 junge Auszubildende der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft beim fünften EBZ-KlimaCamp vom 17. bis zum 20. August 2026 auf dem EBZ-Campus in Bochum. In Vorträgen, Workshops, Diskussionen und Exkursionen wurde deutlich: Die Transformation der Wohnungswirtschaft entscheidet sich vor allem im Bestand – und sie ist mehr als eine technische Aufgabe. Vier Tage lang ging es darum, Klimaschutz, Klimaanpassung und soziale Fragen zusammenzudenken.

Den fachlichen Rahmen setzte Prof. Dr.-Ing. Philip Engelhardt, Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der EBZ Business School und wissenschaftlicher Leiter des KlimaCamps. Anhand der Donut-Ökonomie zeigte er auf: „Beim KlimaCamp geht es uns nicht darum, den jungen Menschen fertige Antworten auf die großen Fragen der Wohnungswirtschaft zu präsentieren. Wir wollen ihnen vielmehr zeigen, wie eng ökologische, soziale und wirtschaftliche Fragen miteinander verbunden sind. Klimaschutz und Klimaanpassung müssen innerhalb ökologischer Grenzen gelingen, ohne dabei bezahlbares Wohnen und soziale Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren.“
Praxischeck für die Wohnungswirtschaft
Wie groß der Handlungsdruck ist, verdeutlichte Prof. Dr.-Ing. Armin Just, Professor für Bautechnik an der EBZ Business School. Er betrachtete Klimaschutz und Klimaanpassung nicht als Gegensätze, sondern als gemeinsame Aufgabe für Gebäude und Quartiere. Zugleich warb er dafür, wirtschaftliche Dynamiken als Teil der Lösung zu begreifen: „Sobald die Leute, die Geld verdienen wollen, in Klimaschutz und Klimaanpassung ein Geschäftsmodell entdecken und damit Wohlstand generieren können – dann wird der Kapitalismus der Motor für die Rettung unseres Planeten sein.“
Workshops und lehrreiche Exkursionen
In den Workshops am Dienstag wurde aus Theorie Praxis: Die Teilnehmenden entwickelten unter der Leitfrage „Wie will ich wohnen?“ ihr eigenes „Quartier der Möglichkeiten“. Themen waren unter anderem Entsiegelung und Verschattung, Biodiversität, energetische Sanierung, Photovoltaik und Mieterstrom sowie soziale Angebote und neue Wohnformen im Quartier.

Die Exkursionen am Mittwoch führten dann dicht an die Praxis heran. Bei der hwg eG in Hattingen ging es um serielle Sanierung, vorgefertigte Fassadenelemente, Holzbau und Photovoltaik im Bestand. In Wuppertal zeigte die Neue Effizienz, wie nachhaltige Mobilität, Energie- und Wärmewende im Quartier zusammenspielen können – von der Mobilstation am Ölberg bis zu Fragen der Kreislaufwirtschaft.
Alexander Rychter: „Wir müssen mehr Holland wagen!“

Einen pointierten Impuls setzte Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen. Nach einem Treffen mit Bundesbauministerin Verena Hubertz in Trier griff er Mittwochabend im EBZ die Kostendebatte im Wohnungsbau auf und plädierte dafür, Standards stärker zu hinterfragen: „Wir müssen mehr Holland wagen! Dort sind mal die Wände dünner, mal werden Leitungen auf Putz gelegt – aber die Wohnqualität stimmt trotzdem. Und dort wird schon seit Jahren sehr erfolgreich seriell gebaut.“
Rychter machte den jungen Gästen deutlich, dass ihre Generation einen schwierigen Spagat gestalten muss: bezahlbares Wohnen sichern, Klimaanpassung voranbringen und den Bestand sinnvoll weiterentwickeln. Sein Leitmotiv: „Efficiency first“ – also gezielt sanieren, statt um jeden Preis alles technisch Machbare umzusetzen.
Wie viel Sanierung können wir uns leisten?

Wie konfliktträchtig diese Aufgabe ist, zeigte die Podiumsdiskussion „Bezahlbar Wohnen – Klima schonen!“. Unter der Moderation von Prof. Dr.-Ing. Philip Engelhardt diskutierten Dr. Kathrin Manthei von der GEBAG, Dr. Hans-Jochem Witzke vom Deutschen Mieterbund NRW, Sascha Rodenberg von der NRW.BANK, Fabian Kohlmann von der hwg eG sowie Leonie Gröning vom Forschungsinstitut InWIS. Die Themenreise der Diskussion führte über die Modernisierung im Bestand zur sozialen Verträglichkeit, zu Energieversorgung und zum Mieterstrom. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Frage, wie viel Sanierung wirtschaftlich möglich und für Mieterinnen und Mieter tragbar ist. Konsens herrschte bei der Auffassung, stärker beim Energieträger anzusetzen, um CO₂-Emissionen zu reduzieren, da umfassende energetische Renovierungen das Wohnen erheblich verteuern werden.
Vier Tage Wissen, Praxis und Austausch
Zum Abschluss am Donnerstag rückte Prof. Dr.-Ing. Heiko Gsell von der EBZ Business School digitale Anwendungen zum Energiesparen in den Mittelpunkt. Zur gemeinsamen Reflexion der vier Tage kam auch Input zu Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten am EBZ.
Für EBZ-Organisationsleiter Marco Pitzer fällt die Bilanz durchweg positiv aus. Besonders dankte er Jana Hintze, Maurine Ewald, Johanna Lange und Mathis Homann aus der Workshopleitung: „Sie sind von Anfang an beim KlimaCamp dabei und sind maßgeblich am Erfolg dieses Formats beteiligt. Gemeinsam haben wir die Learnings aus den letzten Jahren komplett umgesetzt – und deshalb lief es bei diesem KlimaCamp unglaublich gut.“












