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Prüfungstrends 2025 – Eine marktorientierte Analyse des Leistungsspektrums des GdW und seiner Regionalverbände (2013)

Die Entwicklung des Berufsstands der Wirtschaftsprüfer ist in den vergangenen Jahren durch vielfältige Faktoren beeinflusst worden. Neben diversen Bilanzskandalen um das Jahr 2000 und den darauf folgenden Verschärfungen der regulatorischen Rahmenbedingungen haben die Globalisierung und die sich dadurch veränderten Anforderungen der Mandanten an die Wirtschaftsprüfer, die Konsolidierung der Branche und schließlich die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise die Strukturen und Aufgabenfelder deutlich geändert und werden sie weiter verändern. Aus Sicht des GdW kommen zusätzlich branchenspezifische Faktoren hinzu, die das Prüfungs- und Beratungsfeld zukünftig signifikant beeinflussen werden. Eines der Kernthemen ist die Frage nach der Beständigkeit der noch geltenden gesetzlichen Pflichtmitgliedschaft und Pflichtprüfung durch die Prüfungsverbände bei den Genossenschaften, die derzeit den größten Kundenanteil darstellen. Wenn die gesetzlichen Reformbestrebungen dazu führen, dass diese Pflichtprüfung zukünftig aufgehoben oder deutlich eingeschränkt wird, ist es für die genossenschaftlichen Prüfungsverbände von hoher Bedeutung, rechtzeitig ein marktorientiertes Leistungsspektrum anzubieten, um konkurrenzfähig zu bleiben und sich entsprechend zu positionieren. Auch im Falle einer bleibenden Pflichtprüfung ist es entscheidend, die Bedürfnisse der Kunden zu erfassen, um das Leistungsspektrum effizient zu optimieren. 

Ausgehend von den in nachfolgender Abbildung verdeutlichten Szenarien, besteht das Projektziel darin zu analysieren, welches Leistungsspektrum von Kunden nachgefragt wird, wenn die bisher vorherrschende Pflichtprüfung des genossenschaftlichen Prüfungswesens fällt oder deutlich eingeschränkt wird. Hier sollen Handlungsempfehlungen für die zukünftig weiterhin erfolgreiche Positionierung am Markt gegeben werden. Des Weiteren sollen relevante Merkmale analysiert werden, die für das zukünftige Geschäftsmodell der Prüfungsverbände an Bedeutung gewinnen werden, wenn die Pflichtprüfung bestehen bleibt. 

Perspektiven einer Weiterentwicklung des genossenschaftlichen Prüfungswesens

Um die zu erwartenden Anforderungen an die Prüfungsverbände des GdW und die dem GdW nahe stehenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften abschätzen zu können, sind von einem Expertenpanel die relevanten Leistungsmerkmale und Merkmalsausprägungen der genossenschaftlichen Prüfung und Beratung aus der Kunden- und Prüfungsperspektive heraus identifiziert worden. Diese bildeten die Basis für die Entwicklung des Erhebungsdesigns unter Einbeziehung individueller Präferenzbestimmungen (Adaptive Conjoint-Analyse). Das Erhebungsdesign wurde mittels Sawtooth (SSI Web) in eine Umfrage umgesetzt und an 4000 Kunden und Nicht-Kunden der Prüfungsverbände des GdW und der dem GdW nahe stehenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften versandt. 641 Befragte haben an der Befragung teilgenommen, dies entspricht einer Rücklaufquote von 16 Prozent. Die Ergebnisse werden derzeit unter Berücksichtigung des Verfahrens "Maximum DifferenceScaling" und einer Kundenzufriedenheitsanalyse statistisch ausgewertet. Dabei können die aus der Sicht der Befragungsteilnehmer wichtigsten Leistungsmerkmale identifiziert werden. Zu diesen gehören - dies kann bereits vor Projektabschluss konstatiert werden - die wohnungs- und immobilienwirtschaftliche Branchenkompetenz ebenso wie die fachliche Kompetenz, die Erfahrung des Personals und die Organisation des Prüfungsprozesses. Darüber hinausgehend wurde der genossenschaftlichen Branchenkompetenz eine hohe Bedeutung beigemessen. Dabei differenzieren die jeweiligen Angaben der Befragungsteilnehmer in Abhängigkeit insbesondere von Rechtsform und Größe der Unternehmen.

Im weiteren Verlauf des Projektes wird zudem ausgewertet, ob die Prüfungsverbände des GdW sowie die dem GdW nahe stehenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften einen komparativen Konkurrenzvorteil besitzen und welche Handlungsempfehlungen sich daraus ableiten lassen. Für das Szenario "Weiteres Bestehen der Pflichtprüfung" wird sich kein dringender Handlungsbedarf ergeben, da der Konkurrenzvorteil rechtlich abgesichert ist. Dennoch ist aufzuzeigen, bei welchen Leistungsmerkmalen die Prüfung hinter den Kundenanforderungen zurückbleibt und welches Mandantenbindungs- und -gewinnungspotenzial sich daraus ergibt.

Für das Szenario "Wegfall bzw. Einschränkung der Pflichtprüfung" ist der Konkurrenzvorteil nicht rechtlich geschützt. Es ist daher zu untersuchen, welche Leistungsmerkmale der Prüfung aus Sicht der Befragten bedeutsam, wahrgenommen und verteidigungsfähig sind. Die Basis hierfür bildet die "Total UnduplicatedReachandFrequency-Analysis" (TURF). Intention ist es aufzuzeigen, welche Leistungsmerkmale die Prüfungsverbände des GdW und die dem GdW nahen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften fokussieren sollten, um ihr Leistungsspektrum so zu optimieren, dass sie auch im Jahr 2025 noch markorientiert aufgestellt sind. Wenn gezeigt werden kann, welche "Schwächen" vorhanden sind und wie diese zeitnah beseitigt werden können, wird der Markteintritt von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die nicht über den Konkurrenzvorteil der wohnungs- und immobilienwirtschaftliche Branchenkompetenz sowie der genossenschaftliche Branchenkompetenz verfügen, weiter erschwert.

 

Forschungsfeld 1:Personal und Organisation
Fördermittelgeber:GdW - Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen

Ansprechpartner

Prof. Dr. habil. Sigrid Schaefer
Projektleitung
Telefon:+49 (0) 234 9447-727
E-Mail:s.schaefer@ebz-bs.de