Das Ende der Marktwirtschaft? Wissenschaft und Unternehmen im Dialog beim ersten Hochschulforum der EBZ Business School

Bochum, 15. Januar 2009. Luxusproblem oder echte Krise? Beim ersten Hochschulforum der EBZ Business School diskutierten Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft am Montagabend, 12. Januar, kontrovers über Lösungsvorschläge zur Finanzmarktkrise.

Während Volkswirt Dr. Kurt Becker, Head of Economic and Credit Research der Collineo Asset Management GmbH, sich für schnelle Investitionen aussprach, plädierten Prof. Dr. Volker Eichener, Rektor der EBZ Business School und Karl Jochem Kretschmer, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Bochum, für eine Rückkehr zur realen Finanzwirtschaft statt einem blinden Vertrauen in virtuelle Finanzgrößen. „Es gibt kein Patentrezept zur Lösung der Krise“, da waren sich die drei Experten einig. „Nachhaltiges Wirtschaften, realwirtschaftliche Erdung und keine Beteiligung an virtuellen Finanzblasen“, waren Ansätze, die Volker Eichener als Initiator des Hochschulforums, vortrug. Unterstützt wurde er dabei von Karl Jochem Kretschmer, der sich für die Rückkehr zur traditionellen Rolle der Kreditinstitute aussprach und davor warnte, wenig greifbaren Investmentbanken aus dem Internet zu vertrauen, um vermeintlich etwas Geld zu sparen.. „Man darf nicht einfach alles über Bord werfen, was 50 Jahre lang Stabilität und Wohlstand brachte“, widersprach dagegen Dr. Kurt Becker und regte dadurch eine kontroverse Diskussion mit reger Publikumsbeteiligung an.

Erfolgreicher Start

Dass das Thema aktuell viele Menschen bewegt, zeigte sich auch am gefüllten Seminarraum der EBZ Business School im Springorumpark. Rund 50 Vertreter städtischer und regionaler Einrichtungen, Unternehmer und Studenten folgten der Einladung der Hochschule in Zusammenarbeit mit der IHK im mittleren Ruhrgebiet und beteiligten sich am Gespräch. „Als Auftaktveranstaltung wäre es besser nicht vorzustellen gewesen“, bilanzierte Tillmann Neinhaus, IHK-Hauptgeschäftsführer. „Erstens ist es brandaktuell. Zweitens waren die Experten keine selbsternannten, sondern echte Experten. Und drittens war die Diskussion zwar kontrovers, aber trotzdem ergebnisorientiert.“

Ständiger Dialog

In Zukunft wollen IHK und die neugegründete EBZ Business School das Forum zu einer fest etablierten Größe im Dialog zwischen Hochschule und Wirtschaft machen. „Wissenschaft darf nicht isoliert stehen. Wir sehen uns als Partner für die Unternehmen aus der Region und möchten unsere Forschung und Lehre eng mit der Praxis verknüpfen", sagt Volker Eichener. Die EBZ Business School plant, pro Quartal zu einem Hochschulforum einzuladen. Auf der Agenda stehen dabei Themen, wie die Entwicklung des Standorts Ruhrgebiet oder der Bezug von demografischem Wandel und Immobilienwerten. Eichener: „Unser Ziel ist es, den Unternehmen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse für ihr tägliches Geschäft zu vermitteln und gleichzeitig als junge Hochschule an gesellschaftlichen Debatten teilzuhaben.“

v.l.n.r.: Klaus Leuchtmann, Tillmann Neinhaus, Prof. Dr. Volker Eichener, Dr. Kurt Becker, Karl Jochem Kretschmer